Der Weihnachtsmann war mit sich zufrieden. Der Kühlschrank hatte zwar nicht allzuviel hergegeben, die Küchenuhr stand auf Viertel vor Sechs, seine Mission hatte er nicht erfüllt, aber all das störte ihn nicht mehr. Immerhin hatte er dem Schicksal auf die Sprünge geholfen und zusammengefügt, was zusammengehörte und damit zwei Herzenswünsche erfüllt. Was wollte er mehr, wenngleich ……..
„Tust du mir einen Gefallen?“
Erstaunt stellte der Weihnachtsmann fest, daß Lisa im Türrahmen stand. Sie strahlte mindestens so sehr, wie es der Weihnachtsbaum nach getaner Arbeit tun sollte.
„Svenja hat sich mit Tim wieder vertragen, und Tim hat gesagt, er kann uns helfen, daß ich nicht weg muß. Ich mag ihn. Sein Papa kann helfen, hat er gesagt. Ist das nicht toll“, sprudelte es aus ihr heraus. „Ich habe mir so gewünscht, daß ein Wunder geschieht, und nun ist es passiert.“
„Das freut mich für dich Lisa“
„Nat, nat, nat“, pflichtete Stuka ihm bei, die gerade den Rest einer Brotscheibe vertilgte.
„Aber was habe ich damit zu tun?“
Lisa wurde rot.
„Glaubst du, daß ein Brief an den Weihnachtsmann noch ankommt, wenn du ihn heute noch in den Briefkasten wirfst?“
Ein warmes Gefühl durchströmte den Weihnachtsmann.
„Aber ich dachte, du glaubst nicht an den Weihnachtsmann.“
„Das habe ich doch nur so gesagt, weil ich enttäuscht war, daß meine Wünsche nicht erfüllt wurden“, sagte Lisa leise.
„Weißt du, manchmal muß man nur ein wenig Geduld haben, dann gehen Wünsche auch in Erfüllung.“
„Nat, nat, nat“, bestätigte Stuka.
„Und vielleicht sind deine Wünsche ja auch nie beim Weihnachtsmann angekommen. Hast du sie denn aufgeschrieben und sie ihm geschickt?“
Lisa schüttelte den Kopf.
„Und nun möchtest du ihm deine Wunschliste noch zukommen lassen.“
Erneut schüttelte Lisa den Kopf. Dabei fischte sie einen zerknitterten Zettel nebst Buntstift aus der Tiefe ihrer Kleidung hervor. „Schreib einfach auf, was ich sage“, bat sie.
„Nun gut, dann laß mal hören.“

Lieber Weihnachtsmann,

bitte sei nicht böse, daß ich nicht an Dich geglaubt habe. Heute aber sind so viele Dinge, die· ich mir gewünscht habe, in Erfüllung gegangen, daß ich sicher bin, Du hast hier geholfen. Dafür danke ich Dir. Wenn Du Zeit hast, schau doch einmal bei mir vorbei. Svenja, Tim, Stuka und ich würden uns sehr darüber freuen. Ich glaube, Stuka hat auch noch einen Wunsch. Sei doch so lieb, und erfülle ihn ihr.

Deine Lisa

Der Weihnachtsmann wischte sich unauffällig mit dem Mantelärmel über die Augen, nachdem er die letzten Worte niedergeschrieben hatte.
„Meinst du, er bekommt den Brief noch?“
„Mach dir keine Sorgen, ich werde ihn ihm persönlich überbringen“, versprach der Weihnachtsmann.
„Vielen Dank“, jubelte Lisa und umarmte den Weihnachtsmann innig. „Irgendwie bist du auch ein wenig wie der Weihnachtsmann“, sagte sie mit einem herzlichen Lächeln. „Dir fehlen nur ein paar Haare.“ Dann wandte sie sich um und rannte aus der Küche hinaus. „Svenja, Tim, ich muß euch etwas erzählen“, rief sie.
In der Küche blieben der Weihnachtsmann und Stuka allein zurück. Die Gans sah den Weihnachtsmann fragend an. Irgendwie spürte sie, daß gerade etwas Bedeutsames passiert war. „Mach’s gut Stuka, und grüß deinen Schwarm von mir“, sagte der Weihnachtsmann mit warmer Stimme, während die Küchenuhr auf achtzehn Uhr umsprang. Seine Zeit hier war abgelaufen. Eine Wolke aus glitzernden Sternenstaub in allen Farben des Regenbogens entstand plötzlich aus dem Nichts und schmiegte sich um den Weihnachtsmann, so daß Stuka erschrocken schnatterte.

Im Wohnzimmer hatte Lisa inzwischen berichtet. „Na dann laden wir ihn doch zum Dank zum Abendessen ein“, sagte Svenja und begab sich zur Küche, gefolgt von Lisa und Tim. „Hätten Sie Lust….“, begann sie und brach jedoch ab, als sie erstaunt feststellte, daß der Fremde verschwunden war. Nur Stuka, die einen leicht verstörten Eindruck machte, stand inmitten der Küche und blickte sich um, als suche sie etwas.
„Wo ist er hin?“, fragte Svenja erstaunt. Das Küchenfenster war verschlossen, und der Weg über die Haustür führte unweigerlich über das Wohnzimmer. Er konnte unmöglich verschwunden sein. „Das ist geradezu unheimlich“, sagte Svenja, die fragend zu Tim hinüber sah, doch der zuckte auch nur ratlos mit den Achseln. Beide fragten sich insgeheim, ob hier nicht mehr als bloßer Zufall im Spiel war. Aber es laut auszusprechen, trauten sie sich nicht. Lisa hingegen hatte solche Probleme nicht. Wenn sie es recht überdachte, gab es hierfür nur eine Erklärung, und die war so wunderbar, daß Lisa sie kaum fassen konnte.
„Vielleicht war er ein Helfer des Weihnachtsmannes oder vielleicht…“, sie stockte kurz, „war er sogar der Weihnachtsmann selbst“, führte sie den Satz ehrfürchtig zu Ende.
„Nat, nat, nat!“, pflichtete ihr Stuka mit Nachdruck bei.

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