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Das Vordringen zu Herrn Petersen gestaltete sich schwieriger, als das Hirndurchzwängen durch einen zu engen Kamin, in dem die Holzkohle noch qualmte. Aber schließlich hatte er es geschafft und wartete auf das erste Bewerbungsgespräch seines Lebens. Verstohlen musterte er den Personalchef hinter seinem beeindruckenden Schreibtisch, dessen Gesichtsausdruck so ausdruckslos war, als habe er sich gerade eine Jahresration Botox injiziert. Der Weihnachtsmann fand es geradezu grotesk, daß ausgerechnet ein Mensch mit der Ausstrahlung eines Grönlandgletschers darüber zu bestimmen hatte, wer für die Kinder den Weihnachtsmann geben durfte. Sein Blick wanderte besorgt zu dem Bewerbungsbogen, den er nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt hatte und den Herr Petersen nun aufmerksam las. Seine Laune wurde dabei zusehends schlechter. „Nun“, hub er schließlich an und nahm seine Brille ab, „ich bin ein Mann mit Humor….“ Der Weihnachtsmann unterdrückte ein Auflachen, denn seiner Ansicht nach hatte Herr Petersen genauso viel Sinn für Humor, wie ein Eisbär, dem man gerade in die bepelzte Kehrseite getreten hatte. „..aber d a s· läßt selbst mir das Lachen vergehen!“, fuhr Herr Petersen fort. „Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?“
Aufgebracht fuchtelte er mit dem Bewerbungsbogen vor dem Gesicht des Weihnachtsmanns herum. „Name: Santa Klaus, Alter: zweihundertfünfzig Jahre!“, brachte er mit bebender Stimme hervor. „Wohnsitz: Nordpol!, Erfahrung: circa zwei Millionen Weihnachtsauftritte weltweit, Sonstiges: Rentierflugschein! Sind Sie noch ganz gesund?“, schnappte Herr Petersen.
„Wenn man dem Elf Hippokrates Glauben schenken mag, leide ich lediglich unter leichtem Ischias, aber wir kommen ja alle in die Jahre“, bekundete der Weihnachtsmann gutmütig, während er besorgt beobachtete, wie Herr Petersen ein Glas mit kleinen roten Pillen zutage förderte. „Aber ich weiß gar nicht, warum Sie sich aufregen. Ich dachte, Sie wollten einen überzeugenden Weihnachtsmann“, versuchte er den angeschlagen wirkenden Personalchef zu beruhigen.
„Na schön, was soll’s.“ Ein halbes Dutzend rote Pillen wechselten den Aufenthaltsort. „Man wird ohnehin verrückt in diesem Job, da kann es nicht schaden, wenn man es schon ist.“ Er kicherte nervös. „Sie kennen Ihre Aufgabe?“
„Den Kindern den Geist der Weihnacht nahe bringen und Freude und Frieden auf Erden verbreiten.“
„Das haben wir nicht im Verkaufsprogramm“, knurrte Herr Petersen, der schon wieder mit den Pillen liebäugelte. „Schluß mit den Scherzen. Sie manipulieren die lieben Kleinen so, daß sie ihre Eltern mit Wünschen quälen, die es – welch Wunder – zu Superangeboten in unserem Haus zu erwerben gibt. Also, wecken Sie ihre Bedürfnisse! Hier ist eine Liste mit dem Zeug, das wir noch losschlagen müssen.“
Irritiert nahm der Weihnachtsmann einen DIN A 4 Bogen entgegen, der eine erschreckend lange Aufzählung von fragwürdigem Spielzeug auflistete.
„Sehen Sie zu, daß Sie möglichst viel Monstermanartikel an das Kind kriegen. Davon haben wir noch ein ganzes Lager voll.“
„Monsterman?“, fragte der Weihnachtsmann irritiert.
Statt einer Antwort beförderte Herr Petersen eine circa dreißig Zentimeter hohe Plastikpuppe zutage, deren Gesicht derart furchteinflößend wirkte, daß selbst das unerschrockene Rentier Rudolf Reißaus genommen hätte.
„Monsterman!“, brachte Herr Petersen stolz hervor, dem man eine gewisse Ähnlichkeit mit der Figur nicht absprechen konnte.
„N….ne…nett“, stammelte der Weihnachtsmann, der unwillkürlich zurückzuckte und sich im Geiste eine Notiz machte, auf keinen Fall Monsterman in das Warenproduktmanagement am Nordpol aufzunehmen. Die Elfen würde der Schlag treffen.
„Bart, Kostüm etc. bekommen Sie von Frau Ziernich, unserer Ausrüsterin, außerdem einen Sack mit Werbeartikeln. Das sind Schokoladenweihnachtsmänner, aufgeklebt auf einen Pappweihnachtsbaum, auf dessen Rückseite unsere Special-Angebote zum Festtag aufgelistet sind, allen voran…“
„Monsterman?“, vermutete der Weihnachtsmann.
„Bingo! Ich sehe, Sie haben es begriffen. Und nun, sorgen Sie für Umsatz, und viel Spaß mit den kleinen Plagegeistern.“

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