„Was hast du denn mit der Klaue vor?“, fragte der Weihnachtsmann, dem Schlimmes schwante. Der Junge warf daraufhin einen bezeichnenden Blick zu seiner Schwester, so daß der Weihnachtsmann das Thema lieber nicht vertiefen wollte. Jenseits des Saturn herrschte ein verdammt rauhes Klima, nicht nur für kleine, dreijährige Mädchen.
„Was ist mit der Geschichte?“, quengelte die Kleine wie aufs Stichwort, worauf sich der Weihnachtsmann wieder an seine Mission erinnerte. Ein gütiges Lächeln überzog sein Gesicht. „Aber gerne“, brummte er. „Ich erzähle euch eine Geschichte vom wahren G e i s t der Weihnacht.“
„Geist?“, wisperte das Mädchen mit bebender Unterlippe. Ein untrügliches Zeichen dafür, daß ein Ausbruch, der mindestens dem des Vesuv ebenbürtig wäre, unmittelbar bevorstand. Doch der Weihnachtsmann übersah das drohende Ungemach und fuhr fort, mit tiefer Stimme zu erzählen.
„Es begab sich in einer tiefen, dunklen Nacht..“
„Mamaaa!“
„in einer fernen Stadt namens…“
„Der macht mir Aaaannnngggsst!!!!“
Der Weihnachtsmann zuckte zusammen, als hätte er einen Huftritt von Rudolf abbekommen. Direkt gegen das rechte Knie.
Wie schafften es so kleine Kinder nur, ihr Organ mit der Lautstärke eines Nebelhorns erklingen zu lassen?
„Das war cool, Mann. Besser als Monsterman. Gibt’s davon eine CD? Die würde ich ihr gerne mal nachts vorpielen!“, fragte der Junge begeistert, der grinsend beobachtete, wie sich seine weinerliche Schwester in die Arme ihrer Mutter flüchtete. Der Ausdruck in ihren Augen, mit dem sie den Weihnachtsmann bedachte, hätte selbst den spanischen Inquisitatoren Furcht eingeflößt. Doch der Weihnachtsmann hatte derzeit andere Probleme. Eine Stimme, die gut zu Monsterman gepaßt hätte, erklang plötzlich drohend hinter ihm und veranlaßte nun auch den Jungen, zu seiner Mutter zu eilen.
„Sind Sie noch ganz bei Trost?“, wetterte Herr Petersen, der das Ganze mitbekommen hatte.
„Ich hab doch nur…“, protestierte der Weihnachtsmann.

„…meinen Kindern Angst eingeflößt!“, ergänzte Quengelsuses Mutter giftig den Satz. „Da kaufe ich doch lieber bei der Konkurrenz. Die haben dort mit Sicherheit Fachpersonal!“ Wutschnaubend machte sie auf dem Absatz kehrt und zog ihre beiden Kinder im Schlepptau hinter sich her. Nur der Junge drehte sich noch einmal um und hob den Daumen in die Höhe, dann verschluckte sie die durcheinander wuselnde Menschenmasse.
„Arbeiten Sie für die Konkurrenz?“, fragte Herr Petersen bissig.
„In gewissem Maße. Das ist schwer…“, erwiderte der Weihnachtsmann, doch auch diesmal kam er nicht dazu, den Satz zu Ende zu bringen.
„Bist du der echte Weihnachtsmann?“, fragte ein kleines Mädchen mit ehrfürchtiger Stimme, dessen Vater es behutsam in Richtung Weihnachtsmann schob. Erfreut beugte sich der Weihnachtsmann zu der erwartungsvoll blickenden Kleinen hinunter, indes Herr Petersen dem überrumpelten Vater die Liste mit den Sonderangeboten in die Finger drückte.
„Ich bin der wa wa www, der ww wa…“, stotterte der Weihnachtsmann, verstummte und lief rot an. Nun verstand er, was Vingo gemeint hatte. Er hatte keine Chance zu erklären, wer er wirklich war.
„Ich hab dich nicht verstanden, Weihnachtsmann“, flötete die Kleine.
„Der wawawa..“, versuchte der Weihnachtsmann es erneut, während Herr Petersen schon wieder kleine rote Pillen in sich hineinstopfte.
„Ja, er ist der wahre Weihnachtsmann, und hat ein paar schöne Vorschläge für deine Weihnachtswünsche“, säuselte er und versetzte dem Weihnachtsmann einen Stoß, der ihn beinahe vornüber hätte kippen lassen. „Nun bestätigen Sie das endlich“, fauchte er ihm ins Ohr.

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