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In Poppenbüttel angekommen, bestieg der Weihnachtsmann derweil einen rotweiß lackierten Bus, der ihn nach Bergstedt bringen würde. Er wußte noch immer nicht, was ihn dorthin zog, aber er war zuversichtlich, daß er es herausfinden würde. Mit jedem Meter, den er sich seinem Ziel näherte, spürte er mehr, daß er gebraucht wurde und daß sich dort seine Mission vielleicht doch noch erfolgreich beenden lassen würde.
Schon bald wurde die Umgebung ländlicher. Dies gefiel dem Weihnachtsmann schon deutlich besser, als die vom Kaufrausch dominierte Innenstadt. In den meisten Vorgärten der schneebedeckten Einfamilienhäuser spendeten phantasievolle Weihnachtsbeleuchtungen ein warmes Licht, welche das Herz des Weihnachtsmannes erwärmten. Zu seiner Freude, hatte es zudem angefangen zu schneien. Dieses Jahr brauchte niemand von einer weißen Weihnacht nur zu träumen.

„Zehn Euro, das ist mein letztes Wort!“
Der südländisch wirkende Händler rollte bei diesen Worten mit den Augen und rang verzweifelt die Hände, als hätte Svenja ihm vorgeschlagen, für diesen Preis seinen Lieferwagen gleich mit erwerben zu wollen.
„Wollen Sie, daß meine Kinder verhungern und der Hund friert?“, fragte er mit melodramatischer Stimme.
„Eben nicht, darum kaufe ich Ihnen ja einen der letzten Bäume zu einem hohen Preis ab.“
Der Händler hob daraufhin die Hände in einer hilflos anmutenden Geste gen Himmel, als würde er von dort Unterstützung erwarten, doch das Einzige was von dort kam, war jede Menge Schnee. „Womit habe ich das nur verdient?“, beklagte er sich bei niemanden bestimmten, während Svenja, der das Ganze einen Riesenspaß machte, Lisa aufmunternd zuzwinkerte. Wie vorher abgesprochen, schaltete sich nun die Kleine in das Gespräch ein.
„Der hat ja kaum noch Nadeln“, quengelte sie mit Kleinkinderstimme und sorgte so dafür, daß den Händler beinahe der Schlag traf.
„Keine Nadeln“, ächzte er ungläubig, angesichts des satten, üppigen Grüns, in dem sich der Baum präsentierte.
„Und krumm ist er auch.“
„Das Kind braucht dringend eine Brille“, wandte sich der Händler empört an Svenja. Die musterte mit kritischem Gesichtsausdruck die wunderschöne, kerzengerade und mannshohe Nordmanntanne, die ihr der Händler am ausgestreckten Arm präsentierte.
„Lisa hat Recht“, beteuerte sie mit Unschuldsmiene. „Die stammt ja noch aus dem letzten Jahr. Fünf Euro wären angemessener, inklusive Ständer.“

Der Weihnachtsmann hatte derweil sein Ziel erreicht, den Bergstedter Markt. Versonnen blickte er dem Bus hinterher, der schnell im dichten Schneetreiben verschwand. Dann sah er sich sein Ziel genauer an. Sein Blick fiel auf eine hübsche Kirche, zu deren Füßen ein kleiner, gemütlicher Tannenbaumstand die letzten Bäume präsentierte.
War dies der richtige Ort?
Er würde es herausfinden.

Auf dem Weihnachtsmarkt stopfte derweil der Händler die edle Nordmanntanne in ein durchsichtiges Netz. „Acht Euro“, brummte er unwirsch. „Ich bin zu gut für diese Welt.“
„Danke“, sagte Svenja, als der Händler ihr half, den Baum auf ihrem alten Rad so zu plazieren, daß dieser auf dem Lenker und dem Sattel auflag, während der Ständer einen Platz auf dem rostigen, ausgeleierten Gepäckträger fand.
„Bin gespannt, wie weit sie damit kommen werden. Schöne Weihnachten.“
„Schöne Weihnachten und vielen Dank“, erwiderte Svenja, worauf sich ein Lächeln auf die mürrischen Züge des Händlers stahl. Wider Willen mußte er sich eingestehen, daß ihm das Handeln Spaß gemacht hatte. Dann schob Svenja mit Lisas Hilfe das bedenklich ächzende Fahrrad auf den Gehweg hinaus.

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